14. Oktober 2017 Max

Herzlich willkommen zu meinem ersten Blog-Eintrag!

Reisereport meiner fünftägigen Reise mit der GS nach Budapest. Einige Asphalt-Pisten meines Weges kann ich sehr empfehlen- einige Streckenabschnitte zum abhaken.

Am Donnerstagmorgen 12.10.2017 um 11:00 Uhr geht es los. Navi zeigt an: 430 Landstraßen-Kilometer, 9:00h – das sollte der erste Irrtum sein. Ich schaffs in 7:00h. Pausen auf der GS werden schließlich überbewertet. Wetter, Stimmung und Tankfüllung stehen im Einklang- dann mal meinen Lieblingsknopf drücken und Zylinder fluten. Die GS sollte mich zunächst mal am Ammersee vorbei am Starnbergerseeweg vorbei über Land südlich von München bis nach Flachau im Salzburger Land tragen. Und was soll ich sagen kurz gefasst leider nur die ersten 50 Minuten treiben mir ein Lächeln unter den Helm. Ein schönes Stück über die schwäbische Alb südlich von Ulm Richtung Landsberg und schon als ich Ulm passiert hatte kam der große Verkehr. Naja gut es war ja auch ein Werktag. Ein irres Geschiebe rund um den Ammersee gefühlt nur Reisebusse deren Insassen sicher ein vierstelliges Alter zusammenbringen. Das ist jetzt nicht gerade die Umgebung, die meinem wassergekühlten BoGSer so besonders gut gefällt. Weiter Richtung Starnberger See. Kurzum: Geschiebe rund um den See – mal richtig Scheiße. Aber, dann hat der liebe Gott doch noch einen Trumpf im Ärmel: mit Sicht auf die Alpen wirds sonnig und die Strecken von Kilometer zu Kilometer besser. Noch eine kurze Pause kurz nach Mittag da meine GS auf einmal 40.000 km auf dem Tacho anzeigt. Ich halte es für angemessen, jetzt mal einen kurzen Stop einzulegen, ein Bild davon zu fertigen und an dieser Stelle ein Lob auf die Ingenieure auszusprechen! 40.000 km ohne jeden technischen Schaden- halt eine BMW 1200 GS. Österreichische Grenze passiert! In Kössen habe ich dann mal den Tank gefüllt. Mit dem letzten Schluck Sprit schleiche ich untertourig auf die Tankstelle. Der Kilometerzähler zeigt 9 km Und auch nur, weil ich 20 Km mit 90 getuckert bin. Man sollte halt immer damit rechnen, dass eine zuvor geplante Tankstelle heute Ruhetag hat. Aber voller Tank kann jeder ? – mit schwindender Restreichweite ohne Sicht auf die nächste Tankstelle das war schon etwas spannend. Dann von Kössen in Österreich noch einige Kilometer etwas langweilige Landstraße bis es dann doch noch mal richtig schön wird. Meine Reifen schreien mittlerweile nach Schräglage. Am Dientener Sattel und an der Hochkönigstraße, die mich direkt bis Bischofshofen führte kann ich meine Gummis noch wunderbar rundschleifen. Fazit am ersten Tag: meide die deutschen Seen! Da waren zu viele Busse unterwegs und sowohl auf der Schwäbischen Alb als auch später in den Alpen gab’s die schönsten Straßen. Ein Tipp von mir: Wochentag oder Sonntag aussuchen wegen vielen LKW.

Tag 2:
Etappe von Flachau über Graz zum Balaton – ich muss schon sagen ich werde wieder mal vom Wetter verwöhnt auch wenn es mit 6° am Anfang doch recht kalt ist, geht es mit Griffheizung Stufe 1 über Obertauern. Ein Stündchen eingebettet in links und rechts weiß gezuckerte Berge. Oben in Obertauern eine gefühlte Baustelle und wie eine Geisterstadt. Nix los aber schöne Sonne. Hinter Obertauern läuft es abwärts; wunderbar geschwungene Straße durch die Wälder und wenig Verkehr! Genau das richtige was meine GS heute Morgen braucht. Der Schwung über Obertauern ist sehr zu empfehlen. Am Fuße dieses schönen Straßenstücks find meine GS an sich zu langweilen und zwar bis zum Kleinen Städtchen Judenburg. Noch ein klein wenig irritiert wegen der hässlichen Bauten in Judenburg ging es dann rechts auf die Bundesstraße 77- und die war mal der Hammer. 40 km zeigt das Navi an bevors das nächste mal rechts ab ging und ich konnte schon sehen welche schöne Straße sich jetzt vor mir erstreckte. Ich fühlte mich wie auf einer frisch gemachten Skipiste morgens um 8:30 Uhr als erster auf den Brettern. Lang gezogene wunderbare Kurven auf bis zum Asphalt in schönster Umgebung sollten wir erwarten. Ich war mir ganz sicher meine Ventile im Motor schnatterten nicht wegen der Arbeit Sommer sondern wegen der Freude an diesen schönen Strecken. Aber leider hatte mein Navi mal wieder recht nach 40 km als rechts abbiegen musste war ich schon im Einzugsgebiet von Graz und das sollte sich auf die nächsten schätzungsweise 50 km nicht ändern. Einen wochentags Geschiebe aus LKW Bussen Stadtverkehr und Rentnern, die mehr mit ihrer grauhaarigen Beifahrerin beschäftigt waren, als mit dem Straßenverkehr, haben meiner GS die Temperatur hochgetrieben.

Nach einer Stunde war dann schon wieder alles vergessen. Als der hässliche Verkehr rund um Graz vorüber war, lag vor mir wohl der schönere Teil der Steiermark. Was dann letztendlich auch ins Burgenland übergingen und von Kilometer zu Kilometer immer schöner wurde. Zu meiner Überraschung auf dem Weg nach Ungarn kann ich an der slowenischen Grenze vorbei was mich persönlich sehr freute da ich in Slowenien nur die besten Erinnerung hatte. Etwa 25 km ging die Strecke und bestätigte genau das was mir in Erinnerung geblieben war – wunderschöne Landschaften Gute Straßen – einfach ein toller Eindruck! Slowenien dicker Daumen hoch ??

Und dann: die Grenze zu Ungarn große Spannung, da ich zum ersten Mal einen Fuß beziehungsweise einen Reifen nach Ungarn ins Land setzte. Sofort fiel mir auf dass dort wenig Verkehr herrschte und zum ersten Mal auf meiner kleinen Reise habe ich gedacht gut das wir eine GS unter mir habe. Die Straßen und diesen Belag lesen doch sehr zu wünschen übrig und an die Schlaglöcher waren auch nicht ausgeschildert. Aber Bushaltestellen! jeweils gemauerte kleine Mini-Bauwerke bei denen eigentlich nur die Haustür fehlte um dort einzuziehen. Und ich habe mir gedacht heute müsste es wohl der Tag des Feuers sein. Überall in jedem Garten brennt ein kleines Lagerfeuer und auch überall nach verbranntem Heu. Und weitere 80 km war ich dann am Ziel am Balaton zum ersten Mal in meinem Leben habe ich diesen See gesehen. Nettes und gepflegtes Apartmenthaus bei Erica günstig gutes Frühstück alles bestens. Nur jetzt mit dem Oktober war natürlich tote Hose in der Stadt. Höchste Zeit auch mal meine BMW 1200 GS LC zu lobe-: ganz brav hat sie ihre Arbeit getan und bislang keinen Tropfen Öl verbrauchen.

Tag 3: Von Erika nach Budapest
Ausgeschlafen in der gepflegten Pension Erika ging’s um 9:00 Uhr in Richtung Budapest. Gespannt auf die Landstraßen Ungarns komme ich zuerst ein kurzes Stück am Balaton entlang und das war schon sehr nett. Der See bei aufgehende Sonne und die leichten Hügel- hammermäßig! Das machte Lust auf mehr, aber leider FEHLANZEIGE! Nach kurzer Freude folgte nur eine gerade nach der anderen durch triste und flache Gegenden und das sollte sich die knapp 200 km bis Budapest nicht ändern. Das einzige Highlight, das ich im Kopf behalten sollte waren drei junge Ungarn in ihrem Lada Nova. Ein hässliches altes russisches Auto mit einem CW Wert von circa 3,0. Am Ende seiner Kräfte und sicher kurz vorm Anschlag des Gaspedals quälten sich Jungs bei Tempo 100 an mir vorbei, während der Auspuff des Ladas schon im vorbeifahren das Lied vom Tod unter meinen Helm pfeift. ABER: die drei Jungs hatten offensichtlich Spaß dabei das moderne Bayerische Motorrad zu versägen. Mit entspannt hängender Unterlippe und weiterhin hochgeklapptem Kinnteil meines Helmes machte ich mir den Spaß und hängte mich dran…100, 120, 140 ? -wohl gemerkt auf ungarischen Landstraßen- spukte der Auspuff des Ladas Gift und Galle oder besser Feuer und Schrauben aus dem Motorinnenraum. Als ich merkte dass es die Jungs offenbar ernst meinten, ging ich kurz vor der nächsten Ortschaft vom Gas und ließ sie gewinnen. Dabei machte sich in mir das Gefühl bereit, dass ich durch meine wohlwollende Kapitulation soeben drei Menschenleben gerettet hatte. Während meine GS sich kurz über diesen Freibrand in den Brennräumen freute, fürchte ich dass die drei jungen Ungarn wohl einen Hörschaden und durchgeschlagen Stoßdämpfer davongetragen haben müssen. Aber: Sie glauben fest an den Sieg über die deutsche Zweiradtechnik ?.

Beim erreichen von Budapest wurde ich wieder bestätigt- Ungarn wird nicht mein Motorradland – ich bin da – ich muss wieder weg!

Tag 4 – Motorradfrei wegen Budapest-Marathon
Ich möchte euch nur nicht mit langweiligen und vor allem motorradfreien Tagen quälen aber ich möchte gern diesen tollen, sportlichen Familientag mit Vater und Bruder erwähnen. Sonne Marathon und anschließend Weizenbier! Laufzeit mehr als akzeptabel, gemessen am Trainingszustand und insgesamt einen besseren Eindruck von Budapest als noch vom Vortag. In der Stadt wurde schon sehr ausgiebig investiert, aber es bleibt mir ein komischer Eindruck, wenn das Land drumherum so trist geblieben ist.

Tag 5 Rückfahrt:
Es gab nur diese eine Lösung: in anderthalb Tagen zurück nach Hause, da am Dienstag um 12:30 Uhr Dienstbeginn ist. Kein Ersatz also auch kein frei! Kein Problem aber das wars mit gemütlicher Motorradtour. Nach dem Motto: „so schnell wie nötig aber so schön wie möglich“ stimmte ich meine GS am Montagmorgen um 9:00 Uhr auf die Fahrt ein. Ich spürte förmlich die Weigerung meiner GS, überhaupt den Zündschlüssel anzunehmen, als ich ihr das böse Wort Autobahn in die Spiegelohren flüsterte. Nützt ja Nix; 700 km Landstraße sind mir heute zu lang, also erst mal Meter machen, dann weitersehen. Meine Entscheidung steht: Captain Karacho führt mich schnellstens raus aus Ungarn auf festen, österreichischen Boden. Wien kassiert und knapp 250 km auf der Uhr, tippe ich mit Genuss auf meinen Kumpel Tom Tom: die nächsten 100 km bitte kurvenreich! Und bei dieser Entscheidung hatte der Motorradgott mal wieder seine Finger im Spiel. Pielachtal oder Dirndltal. Lange, leere Landstraßen durch ein wunderschönes Alpenvorland – absoluter Tipp von mir! Und zwar das gesamte bergische Gebiet zwischen Salzburg und Wien. Dringend mit etwas mehr Zeit einplanen als ich sie hatte. Hier muss ich auf jeden Fall noch mal hin. Ärgerlich war der Kampf zwischen Weg und Zeit. Ziel ist Bad Feilnbach im „Kistlerwirt“ und dorthin sind es noch ein paar Stunden. Also wieder druff uffe Bahn. Meine GS hätte nach diesem schönen Stück Straße sicherlich am liebsten aus dem Auspuff gekotzt, aber ich verspreche ihr zumindest noch ein paar Landstraßen Kilometer, wenn sie noch brav 100 km Autobahn mitmacht. Was bleibt ihr auch übrig? Tank war voll und meine Gashand mittlerweile gut trainiert. Kurz nach Salzburg wieder auf heimischem Boden. Runter von von der Bahn und die letzten Kilometer gegen die tiefstehende Sonne gen Westen. 18:00 Uhr Kistlerwirt und Weizenbier – welch ein Genuss!

Tag 6 – Endspurt auf der A 8
Ja zum Tag 6 gibt’s leider nichts mehr zu sagen. Dreienhalb Stunden Rückfahrt und pünktlich um 12:30 Uhr im Dienst. Insgesamt waren es herrliche Motorradtage im goldenen Oktober.

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